UNSER ALLTAG

Die Sache mit der Leine und dem Freilauf

Laura mit Chewie und Jona

Nennt mich altmodisch/ engstirnig/ unsozial, aber ich bin der Meinung, dass mein Hund nicht jeden Hund kennenlernen muss, dem wir begegnen. Auch muss Chewie nicht mit jedem Hund spielen, den wir unterwegs begegnen. Besonders nicht, wenn dieser schon auf eine gewisse Art und Weise auf uns reagiert. Dabei gibt es ja zwei verschiedene „Begrüßungen“, die ich besonders „mag“:

  1. Fremder Hund stürmt wie von der Tarantel gestochen auf uns zu.
  2. Fremder Hund stellt seinen Kamm gefühlt kilometerweit in die Höhe und starrt uns intensiv an.

Kommen wir zur ersten Variante: Fremder Hund stürmt wie von der Tarantel gestochen auf uns zu. Am besten ist es dann noch ein großer Hund. Versteht mich nicht falsch. Ich habe weder Angst vor großen Hunden, noch denke ich, dass sie Chewie mit einer Pfote platt drücken. Aber wenn so ein 25-50 Kilo-Hund mit gewissen Tempo auf uns zugerast kommt, wird mir da auch leicht anders. Das merkt natürlich auch Chewie. Zumal er aufdringliche Hunde, die ihn zu schnell und zu arg bedrängen nicht leiden kann. Verständlich! Wäre das ein Mensch würde ich das auch nicht haben wollen. Begleitet wird dieser Hund oftmals von einem Herrchen/ Frauchen, das ganz stolz auf seinen so sozialen Hund ist und ihm alle Freiheiten gibt. Manchmal steht aber am anderen Ende ein Herrchen/ Frauchen mit Flexleine in der Hand. Die Leine ist dann fast (oder gar) komplett ausgefahren. Hund muss ja immerhin aus der Distanz auf uns zurennen.

Variante Nummer zwei stellt, wie schon oben geschrieben, seinen Kamm richtig schön hoch und starrt entweder uns oder nur Chewie an. Mit steifen, durchgedrückten Beinen kommt dieser Hund Schritt für Schritt näher und vergisst dabei nicht weiterhin zu starren. Auch hier ist das Herrchen/ Frauchen stolz auf den sozialen Hund, der unangeleint bzw. an der Flexi auf uns zukommt. Der Kamm wird dabei aber komplett ignoriert. Immerhin bellt Hund ja nicht.

Chewie im Lauf

Auf die Körpersprache kommt es an

Ich leine Chewie grundsätzlich an, wenn ich sehe, dass uns ein Hund entgegen kommt. Man weiß ja nie, wie der eigene Hund auf den fremden Hund reagiert bzw. wie der fremde Hund auf den eigenen Hund reagieren. Bei Chewie ist es auch so, dass er sich grundsätzlich auf Hundebegegnungen freut. Er hat kaum schlechte Erfahrungen gemacht und mag es einfach Artgenossen zu treffen. Und genau das möchte ich beibehalten. Deswegen achte ich immer auf den Hund, der uns entgegen kommt. Dabei verrät mir die Körpersprache des jeweiligen Hundes schon einiges. Kommt also der Hund angeschossen, stellt seinen Kamm, fixiert, knurrt, bellt oder spannt sich komplett an, werde ich vorsichtig. Es kann zwar alles gut gehen, es könnte aber auch sein, dass nichts gut geht. In diese Situation möchte ich aber überhaupt nicht kommen. Zu oft schon habe ich davon gelesen. Leider muss man sich aber bei der Mentalität der meisten Hundebesitzer echt Sorgen machen, dass es soweit kommen kann.

Mir ist in letzter Zeit vermehrt aufgefallen, dass viele Hundebesitzer die Körpersprache ihrer Hunde überhaupt nicht lesen können. Teilweise lesen sie sogar noch die Signale falsch. Das ist sogar noch schlimmer! So wird Schwanzwedeln immer als Freude interpretiert. Dass der Hund fixiert, bekommt kaum ein Hundebesitzer mit und wenn, dann wird es als positives Interesse am anderen Hund gedeutet. Knurrt oder bellt der Hund, wird er zur Beruhigung gestreichelt, er soll sich ja nicht zu arg aufregen.

Außerdem muss jeder Hund freilaufen. Denn nur ein freilaufender Hund ist ein glücklicher Hund. Auch wenn der Rückruf nicht wirklich klappt, der Hund pöbelt oder gar nicht auf Herrchen/ Frauchen hört. Freilauf ist ein Muss.

Chewie mit Leine

Die Leine hat einen guten Grund

Wenn ich dann mit dem angeleinten Chewie versuche an diesen Hunden samt Besitzer vorbeizukommen, wird das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Entweder der Hund klebt schon förmlich an Chewie oder Herrchen/ Frauchen versucht mit mir in ein Gespräch zu kommen. Ich möchte aber auch nicht jeden Besitzer kennenlernen. Es gibt Tage, an denen möchte ich nur mit Chewie alleine unterwegs sein. Besonders nach einem langen oder anstrengenden Arbeitstag genieße ich die Ruhe für mich. Auch gibt es Tage, an denen ich verabredet bin und mit Chewie zu einem Treffpunkt laufe bzw. nicht so viel Zeit für unsere Runde habe. Dann gibt es auch noch Tage, an denen ich mit Chewie etwas trainieren möchte, z. B. die Leinenführigkeit. Oder ich möchte Chewie fotografieren. Oder oder oder… Auf jeden Fall hat es für mich einen guten Grund, warum Chewie an der Leine ist.

Das scheinen aber nur für mich gute Gründe zu sein. Wenn ich andere Hundehalter bitte, dass sie ihren Hund ebenfalls anleinen sollen, bekomme ich nur den Standardsatz zu hören „Der tut aber nix!“. Aber vielleicht würde ja meiner etwas tun?! Darüber scheinen sich diese Hundehalter überhaupt keine Gedanken zu machen. Es könnte aber sein, dass ich einen ängstlichen Hund habe, der schnappt oder vorschießt, sobald er bedrängt wird. Mein Hund könnte aber auch schlechte Erfahrungen mit fremden Hunde gemacht habe und geht deswegen gleich in die Verteidigung. Auch könnte mein Hund krank sein und andere Hunde anstecken.

Mit Jona war es so, dass sie keine Hündinnen um sich haben wollte. Besonders Hündinnen in ihrer Größe oder kleiner. Die einzigen Hündinnen, die sie noch akzeptierte waren Spitze und Shelties. Auf alle anderen kleinen Hündinnen hätte sie sich am liebsten – nicht im Guten – gestürzt. Auch hatte Jona Angst vor großen Hunden. Wir vermuteten, dass sie den Umgang mit großen Hunden nie wirklich gelernt hatte. Deswegen hatte ich Jona prinzipiell an der Leine. Wenn dann aber ein großer Hund oder eine kleine Hündin trotzdem auf uns zukamen, musste ich immer darauf achten, dass Jona in „Sicherheit“ ist und ich gleichzeitig aber den Hund von uns wegschubse/ wegdränge. Immerhin sollte – und soll auch für Chewie – die Leine Sicherheit ausstrahlen. Meine Hunde sollen wissen, dass sie bei mir an der Leine in Sicherheit sind und ich mich um alles kümmere.

Chewie mit Nelly und Marie

Zum Glück gibt es aber auch ein paar gute, aufmerksame Hundebesitzer. Sie leinen ihre Hunde ebenfalls an, achten darauf, dass ihr Hund entweder sitzen bleibt oder schön an uns angeleint vorbei läuft. Diesen Hundebesitzern bin ich sehr dankbar! Sie zeigen mir, dass ich nicht alleine so denke. Aber leider findet man sie viel seltener…Gehören sie etwa zu einer aussterbenden Gattung?

Natürlich lasse ich Chewie auch mal frei mit anderen Hunden laufen. Aber dafür schaue ich mir die Hunde einfach genau an. Auch hat Chewie ein paar Hundekumpels, mit denen er sehr gerne durch die Gegend flitzt. Da geht mir echt das Herz auf! Aber das sind auch nicht irgendwelche Hunde, die wir das erste Mal treffen, sondern Freunde von uns, die wir schon länger kennen.

Wie ergeht es euch bei euren täglichen Runden? Kennt ihr die oben beschriebenen Situationen? Oder habt ihr das Glück, dass die Hundebesitzer bei euch aufmerksamer sind?
Das würde mich jetzt sehr interessieren :)

Minimonsterbande

7 Gedanken zu „Die Sache mit der Leine und dem Freilauf

  1. Hallo Laura,
    das kenne ich leider nur zu gut. Heute morgen noch wurde mein Hund der eigentlich immer an der Leine läuft von einem anderen Hund gebissen der auch wild zu uns rennte. Die Besitzerin rief vergeblich und da war es auch schon geschehen. Manchmal denke ich, dass es nur mir so geht weil ich solche Situationen nie bei anderen Leuten sehe.
    Mir fäallt auch auf, dass ein Großteil der Hundebesitzer keine Ahnung von ihrem eigenen Hund haben und ihre Körpersprache total nicht oder halt falsch interpretieren. Was ich dann auch nicht begreife, ist dass die Hunde ohne Leine weiterlaufen. Mittlerweile weiß ich schon bei welchen Hunden ich lieber mal in die andere Richtung laufen kann. Aber jedes Mal wenn ich die Hunde sehe laufe sie ohne Leine obwohl sie schon öfter negatief auf meinen Hund reagiert haben und nicht auf ihren Menschen hören. Das verstehe ich einfach nicht. Ist es den anderen Leuten egal wenn ihr Hund eine Gefahr darstellt für andere?
    Den Spruch „Der tut nichts“ hören wir auch jedes Mal. Ist mir völlig egal ob der was tut oder nicht. Warom rennt er zu uns ohne, dass vorher abgeklärt wird ob ich das überhaupt gut finde. Mein Hund mag solche aufdringliche Hunde nicht und will denen immer ausweichen. Geht aber nicht wenn die nich an der Leine sind..
    Ach ja…ich glaube, dass wird leider immer so bleiben. Nur hoffen, dass nie was schlimmes passiert :)

    1. Hallo liebe Julia,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
      Es tut mir echt leid für euch, dass ihr ebenfalls schlechte Erfahrungen mit anderen Hundebesitzern machen musstet. Unglaublich, aber manchmal glaube ich auch, dass es den Hundebesitzern egal ist, dass ihr Hund eine Gefahr für andere darstellt. Wobei ich auch glaube, dass viele gar nicht realisieren, dass ihr Hund so ist, wie er ist. Es wird viel zu viel schön geredet.
      Ich drücke euch die Daumen, dass es nie zu einem schlimmen Zwischenfall kommen wird.

  2. Toller Artikel! Jaaaa! Ich kenne diese Der-Tut-Nixe… Sie treiben mich in den Wahnsinn. Shiva ist nämlich einer der Hunde, die schlechte Erfahrungen haben und aus Angst nach vorne schießen und das nicht zum Hallo sagen… Früher war sie nicht so, aber dann ist sie mehrfach von Der-Tut-Nixen angegriffen worden und seitdem ist Angriff die beste Verteidigung. Wir gehen dann immer aus dem Weg und ich wehre auch andere Hunde ab. Meist mündet das ja in einem Streit mit den Besitzern, aber das ist mir egal.

    Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ein entgegenkommender Hundehalter seinen Hund anleint oder so unter Kontrolle hat, dass er bei ihm bleibt und meinen ignoriert, dann ist sie nämlich total lieb. Spielen darf sie auch gerne, aber eben nur mit Fellfreunden, die sie schon kennt und mag. Der Rest interessiert sie auch nicht.

    Flauschige Grüße

    Sandra & Shiva

    P.S.: Übrigens ist Chewie ein megageiler Name für so einen kleinen Flausch!

    1. Hallo liebe Sandra,
      vielen lieben Dank!
      Echt schade, dass Shiva mehrfach angegriffen wurde…da sieht man leider, was aus den Hunden passiert, die von den „Der-Tut-Nixe“ angegriffen wurde.
      Ich drücke euch auf jeden Fall ganz arg die Daumen, dass es zu keinem weiteren Zwischenfall kommt!

  3. uuuuhh…. JA!
    …und wie ich es hasse… -.-
    Meine Fellnase ist ja nun auch noch gerade mal ganz knapp 5 Monate alt. Der muss also noch so einiges lernen. Das geht natürlich „suuuuuuper“ wenn das Gegenüber quasi machen kann was es will, Ohren auf Durchzug hat, Herrchen oder Frauchen sich fusselig quasseln aber garantiert nicht auf den Trichter kommen, die aufdringliche Fellnase am Schlawittchen zu packen und an die Leine zu legen oder bzw. sich zurück zu ziehen. Dandy ist dann auch noch nicht gerade der größte Hund und wird es auch nie werden (Papillon, wird ca. 28-30cm) und fühlt sich schnell in die Ecke gedrängt. Glücklicherweise versteckt er sich dann gleich hinter mir und ich kann dann den „Eindringling“ besser von ihm abschirmen.
    Aber am Besten sind echt noch die Sprüche… Man könnte meinen, man wäre total asozial und würde seiner Fellnase zu einem aggressivem Etwas erziehen. Das der vor Angst schlottert wird dann auch noch mit „…och, ist dem Kleinen aber kalt. Sollten Sie mal ein Pulloverchen anziehen…“ quittiert.
    Aggressiv werde dabei nur ich und ich erwische mich immer öfter dabei echt ungehalten und unhöflich zu werden. Böse Blicke sind mir da inzwischen völlig wurscht. Schließlich zeugt es schon nicht von Höflichkeit oder gar Etikette, wenn man den Leinen-Raum nicht respektiert.

  4. Guten Morgen,

    DANKE für den Text, Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe einen Chihuahua. Kein Kläffen und gut erzogen, abrufbar . Trotzdem habe ich ihn an der Schleppleine, denn er ist zur Zeit in der Pubertät und da vergisst er schon mal , was er gelernt hat. Erst wenn ich 100% sicher bin, dass er abrufbar ist, egal was kommt, leine ich ihn ab. Am Besten an Feldern, wo ich die Umgebung gut überschauen kann. Nun ist es mir jetzt das zweite Mal passiert, dass ein großer Hund , unangeleint auf uns zu brettert….heute waren es gleich zwei. Ein Riesenschnauzer und ein Labbi Mix. Der Besitzer rief vergebens aber beiden Hunde rannten im Affenzahn auf uns zu. Mir wurde ganz anders. Der Besitzer rief aber das interessierte die Hunde nicht. Ich lasse es nicht drauf an kommen und nehme meinen Hund hoch. Klar, sollte man nicht machen aber das ist mir in soder einem Fall egal. Beide Hunde sprangen wie von der Tarantel gestochen an mir hoch, um mich herum. Alles weg schreien und weg treten halfen nicht. Der Besitzer kam auch nicht in die Pötte, er war schon älter….so ging ich zu einem Zaun und wollte meinen Hund als letzte Option, drüber werfen. Irgendwann und irgendwie hat er dann seine Hunde eingefangen und meinte dann noch ernsthaft, “ dass die aber nichts gemacht hätten!!!“ ….da fehlen einem die Worte. Mein Hund wiegt 4kg und war angeleint. Die andern beiden wogen 40-50kg und rasten auf uns zu. Ich bin immer noch fix und fertig. Mein Hund liebt andere Hunde und er zeigt auch genau, wen er sympathisch findet und wen nicht. Ich laufe auch nicht zu jedem Menschen hin, bespringe und bedrängt und umarme jeden. Klar, so ein Großhundbesitzer kann sicherlich relaxed sein, wenn so ein kleiner Chi von seinen Hunden überrollt wird. Selbst wenn die , was ich nicht glaube, meinen Hund nicht gebissen hätten, wäre er von gleich zwei riesen Kalibern überrannt worden. Es ist echt traurig und seitdem ich so eine kleine Fellnase habe, muss ich mich mit ganz neuen Problemen auseinander setzen.

    Danke für Deine Worte
    Sandra🐾

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